Je größer die Masse, desto besser die Schalldämmung

Blähton-Schüttung für guten Schallschutz in Holzbalkendecken. Foto: Liapor GmbH & Co.KG
Blähton-Schüttung für guten Schallschutz in Holzbalkendecken. Foto: Liapor GmbH & Co.KG

Masse und Entkoppelung sorgen für optimalen Schallschutz

Grundsätzlich wird bei der Schalldämmung zwischen Luftschall (Musik, Sprechen) also Geräusche, die über die Luft übertragen werden und Tritt- oder Körperschall, beispielsweise durch das Gehen auf einer Decke und das Einschlagen eines Nagels in die Wand, unterschieden. Die Eigenschaften der Dämmmaterialien sind dabei allerdings recht ähnlich.

Die wesentlichen Unterschiede bestehen zwischen der Dämmung gegen Wärme bzw. Kälte einerseits und dem Schutz gegen Lärm andererseits. Während bei der Wärmedämmung wichtig ist, dass das Material eine möglichst geringe Dichte hat, um in seinen Poren viel Wärme halten zu können, muss ein gutes Material für die Schalldämmung möglichst viel Masse einbringen, also eine möglichst hohe Dichte aufweisen. Da es also in der Regel schwierig ist, diese sich widersprechenden Anforderungen in einem Material zu finden, werden häufig unterschiedliche Materialien verwendet, die sich entsprechend ergänzen. So wird eine KS-Wand in der Regel zusätzlich gegen Wärme gedämmt, während Wärmedämmziegel oder Porenbeton eine zusätzliche Schalldämmschicht benötigen.

Gute Schalldämmung durch Naturdämmstoffe

Häufig sind es Naturdämmstoffe, die die sich widersprechenden Eigenschaften am besten vereinen: Faserstoffe, wie beispielsweise Holz-, Hanf- oder Kokosfaserplatten bieten den Vorteil, dass sie als Faserdämmstoff auf Grund ihrer Struktur gut gegen Wärme dämmen, einen guten sommerlichen Hitzeschutz bieten und gleichzeitig eine relativ hohe spezifische Dichte aufweisen, was sie zu einem guten Schalldämmmaterial macht. Faserdämmstoffe sind flexibel, offenporig, weich und absorbieren sehr gut den Schall.

Neben Platten und Matten können auch verschiedene Schüttungen sehr wirksam zum Schutz gegen Lärm eingesetzt werden. So können beispielsweise die verholzten Stielteile der Hanfpflanze (die so genannten Hanfschäben) in Kombination mit Lehm, sowie Korkschrot oder mineralische Schüttungen zum Schallschutz in Holzdecken Verwendung finden.

Bauteile voneinander entkoppeln

Zu verhindern, dass der Schall von einem Bauteil auf das nächste übertragen wird, ist das A und O im Schallschutz. „Entkoppeln“ ist das Zauberwort. Diese Aufgabe übernehmen beispielsweise Randdämmstreifen beim Verlegen von Trockenestrichplatten, schalldämmende Wandanker bei der Befestigung einer Treppe in der Wohnungstrennwand oder auch der schwimmende Estrich in Kombination mit einer weichen Trittschallschicht im Boden- bzw. Deckenaufbau.  Grundsätzlich ist es gut, unterschiedliche Materialien, die entsprechend in unterschiedlicher Frequenz schwingen, miteinander zu kombinieren, so dass der Schall schlecht weitergegeben wird.

Unser Profi-Tipp

Die so genannte dynamische Steifigkeit eines Materials spielt für den Schallschutz eine wesentliche Rolle. Je steifer ein Material, desto schlechter seine schalldämmende Wirkung. Während alte WDVS-Materialien oft zu steif waren für einen guten Schallschutz, werden heute beispielsweise elastifizierte EPS-Dämmstoffe eingesetzt.

Ein etwas komplizierter Sachverhalt liegt bei der Flankenübertragung des Schalls von einem Raum in den nächsten über die Außenwand vor. Vereinfacht gesagt helfen hier Bauteile mit möglichst hohem Eigengewicht.


Mit unterschiedlichen Materialien die Schalldämmung optimieren

Kaschierte EPS-Dämmung von der Rolle wird unter dem schwimmenden Estrich verlegt. Foto: Karl Bachl GmbH & Co. KG

Für einen guten Schallschutz kann beispielsweise kaschierte EPS-Dämmung von der Rolle unter dem schwimmenden Estrich verlegt werden. Auch Trittschalldämmplatten aus hochwertigem, elastifiziertem Polystyrol-Hartschaum entsprechen den Anforderungen an Luft und Trittschallschutz gemäß DIN. In Verbindung mit fachgerecht verlegten Randstreifen bietet dies eine sehr gute Schall- und Wärmedämmung speziell für Wohnungstrenndecken. Sollen EPS-Dämmplatten verlegt werden, muss es sich um elastifiziertes EPS handeln, um den Schall gut abdämpfen zu können. Foto: Karl Bachl GmbH & Co. KG

Kaschierte EPS-Dämmung von der Rolle wird unter dem schwimmenden Estrich verlegt. Foto: Karl Bachl GmbH & Co. KG
Formstabile Steinwolle-Leichtbauplatten für den Schallschutz in leichten Trennwänden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL

Formstabile Steinwolle-Leichtbauplatten bieten beispielsweise einen sehr guten Schallschutz bei leichten Trennwänden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL

Formstabile Steinwolle-Leichtbauplatten für den Schallschutz in leichten Trennwänden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Steinwolle-Dammstreifen zur Entkopplung zwischen schwimmendem Estrich und Mauerwerk. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Um Schall- und Wärmebrücken zwischen schwimmendem Estrich und Mauerwerk zu vermeiden, werden Randdämmstreifen, beispielsweise aus Steinwolle, am Sockel der Wand befestigt. Auch zwischen leichten Trockenbauwänden und anschließenden Bauteilen dämpfen sie den Schall. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Steinwolle-Dammstreifen zur Entkopplung zwischen schwimmendem Estrich und Mauerwerk. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Blähton-Schüttung für guten Schallschutz in Holzbalkendecken. Foto: Liapor GmbH & Co.KG

Der Materialbedarf für Schüttungen lässt sich sehr genau kalkulieren und Hohlräume sich lückenlos füllen. Mit einer losen Trockenschüttung kann beispielsweise eine Holzdecke auch nachträglich, bei geringer statischer Belastung, gedämmt werden. Foto: Liapor GmbH & Co. KG

Blähton-Schüttung für guten Schallschutz in Holzbalkendecken. Foto: Liapor GmbH & Co.KG
Akustisch wirksame Deckenbekleidung in verschiedenen Farben. Foto: Fibrolith Dämmstoffe GmbH

Mineralisch gebundene Holzwolleplatten haben eine gute Schallabsorption, sind baubiologisch unbedenklich und mindestens schwer entflammbar. Sie können sehr gut für die akustisch wirksame Deckenbekleidung eingesetzt und in unterschiedlichen Farben für die Gestaltung des Innenraums genutzt werden. Foto: Fibrolith Dämmstoffe GmbH

Akustisch wirksame Deckenbekleidung in verschiedenen Farben. Foto: Fibrolith Dämmstoffe GmbH
Nadelfilz aus Hanf als Trittschalldämmung und zur Entkopplung. Foto: THERMO NATUR Gmbh & Co.KG

Nadelfilz aus Hanf kann sowohl in Bahnen als Unterlage für schwimmend verlegte Parkett-, Massivholz- oder Laminatböden verwendet, aber auch in Streifen als Entkopplungs- oder Trennwandstreifen für leichte Trennwände, Holz-auf-Holz-Verlegungen oder bei Deckenbalken eingesetzt werden. Foto: THERMO NATUR Gmbh & Co.KG

Nadelfilz aus Hanf als Trittschalldämmung und zur Entkopplung. Foto: THERMO NATUR Gmbh & Co.KG
Hanf-Lehm-Schüttung zur Schalldämmung in Holzdecken mit Fußbodenheizung. Foto: Hinfahre Uckermark eG

Bei der Hanf-Lehm-Schüttung handelt es sich um Hanfspäne, die mit Lehm ummantelt ist. Durch den Klebeeffekt der Lehmummantelung entsteht ein stabiles, fugenloses Dämmvolumen. Die Hanf-Lehm-Schallschüttung kann auch mit einer Fußbodenheizung kombiniert werden. Foto: Hanffaser Uckermark eG

Hanf-Lehm-Schüttung zur Schalldämmung in Holzdecken mit Fußbodenheizung. Foto: Hinfahre Uckermark eG
Schall- und Wärmeschutz durch natürliche Eigenschaften der Kokosfaser. Foto: Gittel Naturdämmstoffe

Kokosfasern eignen sich nicht nur für den Wärme-, sondern durch ihre natürlichen Eigenschaften als Fasermaterial auch sehr gut für den Schallschutz. Sie können als Matten, Rollenware oder Estrichdämmplatten zur Trittschalldämmung verlegt werden. Foto: Gittel Naturdämmstoffe

Schall- und Wärmeschutz durch natürliche Eigenschaften der Kokosfaser. Foto: Gittel Naturdämmstoffe

Unser Fazit

Die Materialien, die heute auf dem Markt angeboten werden sind sehr gut und in der Regel recht einfach zu verarbeiten. Während allerdings eine Wärmedämmung auch noch nachträglich ein- bzw. aufgebracht werden kann, sollte ein guter Schallschutz nach Möglichkeit bereits bei der Planung optimal berücksichtigt werden!

Herstellerindex

EPS Trittschallplatte www.bachl.de

Steinwolleleichtbauplatten www.rockwool.de

Blähton-Schüttung www.liapor.de

Holzwolleplatten www.fibrolith.de

Hanf-Nadelfilz www.thermo-natur.de

Hanf-Lehmschüttung www.hanffaser.de

Kokosfaser www.gittel-naturdämmstoffe.de

Über Nina Greve 38 Artikel
Dipl. Ing. Nina Greve arbeitet als freie Fachjournalistin in Lübeck und ist unter anderem für die Fachmagazine bauhandwerk, dach+holzbau sowie die DBZ tätig.